Auf wackligen Beinen

Wenn ich gegen meine Tochter antrete, würde ich immer gewinnen. Damit möchte ich aber ungern angeben, denn meine Tochter ist noch keine 2 Jahre alt. Ich hatte also deutlich mehr Zeit all die Dinge zu üben. Die meiste Zeit zeige ich ihr wie man Bücher liest, Sandburgen baut oder so richtig schön quatsch macht; und wenn wir mal einen Wettkampf machen, bin ich ein fairer Papa und lasse sie gewinnen.

Doch im Moment gibt es eine Sache (und ich bin mir sicher, dass es nicht die Letzte sein wird), wo mir meine Tochter etwas beibringt. Seit einigen Wochen lernt sie laufen und mittlerweile flitzt sie durch unsere Wohnung. Ruckzuck ist sie von der Terassentür wieder am Esstisch und bevor ich mich versehe wieder an der Tür. Und wenn Sie mal irgendwo gegen rennt, hinfällt oder über ihre eigenen Füße stolpert, dann schaut sie mich nur kurz groß an, stellt sich wieder hin und flitzt erneut los.

Ich hingegen Wankel im Moment eher auf meinen Beinen. So richtig sicher stehe ich gerade nicht am Ende meines Studiums und am Beginn der Arbeitswelt. Ein, zwei Schritte dann kommt eine Ecke und ich stolpere. Dann schaue ich mit großen Augen, aber im Gegensatz zu meiner Tochter stehe ich nicht direkt wieder auf. Oft sitze ich da und ärger mich über die Ecke. Warum ist sie gerade jetzt da? Und wenn ich mich wieder Aufraffe, konzentriere ich mich viel zu sehr auf die nächste Ecke, die mich aus der Bahn werfen könnte.

Ja, eigentlich gewinne ich immer gegen meine Tochter, aber im Moment steht sie auf eigenen Beinen und zeigt ihrem Papa wie das geht.

Einfach aufstehen. Keine Angst und darauf vertrauen, dass alles gut wird.

Tobias Sauer

Katholischer Theologe und Initiator von ruach.jetzt. Auf der Suche nach einer Kirche von morgen mit dem Glauben der Menschen von heute.

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