Am 10. Dezember 1948 wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte genehmigt und verkündet. Ihr erster Artikel: 

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.
Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt
und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Zeilen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Die wesentlichen Züge meines Lebensgefühls sind benannt: Meine Freiheit, meine unantastbare Würde, meine Rechte, meine Vernunft, mein Gewissen und Nächstenliebe als wesentlicher Bestandteil des Umgangs miteinander.

Und doch bleiben Bauchschmerzen. Ich bin sicher nicht perfekt und auch ich profitiere mit Wohlstand von der Grenzpolitik der Europäischen Union. Auch ich trage Kleider (wenn auch mit jedem Einkauf weniger), die unter unfairen Bedingungen produziert worden sind. Und auch ich esse täglich Fleisch.

Alle Menschen sind gleich und ich handle für meine Würde und meine Rechte nicht in Geschwisterlichkeit. Ich würde lügen, wenn ich jetzt als moralische Pointe hier ansetze und sage: Nach diesem Artikel fange ich an ein guter Mensch zu sein. Schmeiße mein Handy weg, kaufe mir ein Fairphone, esse kein Fleisch und trage nur noch FairFashion. Glaub mir: Das werde ich wohl nicht.

Aber ich werde mich auch nicht hinter „Kann man doch eh nichts machen.“ und „Du machst das doch auch.“ und „So ist unsere Gesellschaft nun mal.“ verstecken, sondern für mein Handeln auch Verantwortung übernehmen.

Denn es gibt kein Argument, das einem Menschen seine Würde nimmt.

Tobias Sauer

Katholischer Theologe und Initiator von ruach.jetzt. Auf der Suche nach einer Kirche von morgen mit dem Glauben der Menschen von heute.

  1. Christiane Ehrlich says:

    Der Begriff der Freiheit ist ein grosser Begriff ähnlich dem der Gleichheit , der Brüderlichkeit und nicht zuletzt dem der Gerechtigkeit. Es gelingt mir nicht diese Begriffe mit Inhalt zu füllen, denn ich habe schon Probleme damit meinen Kinder gerecht zu werden. Würde ich alle nach dem Prinzip der Gleichheit behandeln würde ich den individuellen Charakter meiner Kinder vernachlässigen. Die Begriffe der Freiheit , Gleichheit und Brüderlichkeit haben für Europa ihren Ursprung in der Französischen Revolution, wie im übrigen auch der Begriff der Nation. Wahrscheinlich um Ordnung um Ordnung in das Chaos zu bringen. Je chaotischer eine Umwelt zu sein scheint, um so mehr sehnt der Mensch sich nach Ordnung, oder nach klaren Grenzen. Der Wunsch nach Grenzen ist somit verständlich. Es liegt in ihm aber noch etwas anders, zumindest empfinde ich dies, der Wunsch nach klaren Regeln. Wenn ich den Gedanken zu Ende denke braucht Freiheit Regeln, Gesetze, die 10Gebote und eben die Formulierung nach der Gleichheit und der Freiheit. Mir sind die Gedanken um die Gerechtigkeit und die Nachhaltigkeit nicht fremd,ich denke ständig darüber nach wie ich dies umsetzen kann. Gleichzeitig denke ich über die Freiheit nach. denn dies gehört zusammen. Demokratie und Wohlstand sind in Europa erst eine kurze Zeitspanne vorhanden, der Weg dorthin, war ein Weg voll Gewalt, Krieg, Hunger und Vertreibung, für mich kann ich sagen, diese Erfahrung liegt nur eine Generation zurück, meine Eltern haben diese Zeit bewusst erlebt und uns in dem Bewusstsein erzogen, dass dies keine selbstverständlichen Werte sind. Dies umzusetzen ist nicht immer einfach, das war ihnen wohl bewusst, vvon daher haben sie uns Gott und die 10 Gebote mitgegeben. Dies wiederum gibt Halt und Orientierung in etwas Chaotischen Zeiten, die übrigens auch sehr spannend sind.

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