Ich weiß nicht was Gott ist.

Ich weiß nicht was Gott ist.

Was für viele wie Resignation klingt, ist für mich eine wichtige Erkenntnis.

Denn gerade ich sollte es doch wissen: Theologiestudent. 10. Semester. Fast fertig.

Aber ich weiß es nicht und das ist sehr angenehm. Denn so kann ich mich immer wieder überraschen lassen.

Gott muss sich nicht in mein Bild einordnen, sondern ich kann sein Bild in meine Collage einsortieren.

Wenn ich an Gott denke, denke ich an einen Tanz.

Ich stelle mir vor, dass wir alle, wie in einem Amphitheater, um die Bühne herum sitzen und den Tanz betrachten.

Und jeder sieht was Anderes.

Mal ein Bein. Mal ein Arm. Mal das Gesicht.

Immer für einen kleinen Augenblick und dann ist es schon wieder weg.

Es bewegt sich. Immer wieder entstehen neue Bilder.

Und obwohl ich dem Tanz mein Leben lang schon zusehe: Weiß ich nicht was Gott ist.

Denn ich sehe nur das was sich mir gerade zeigt.

Und auch nur, wenn ich gerade hinschaue; nicht abgelenkt bin.

Ich frage mich was mein Sitznachbar sieht.

Oder die Person auf der anderen Seite.

Eins hab ich mir vorgenommen: Wenn ich das nächste Mal dasitze und dem Tanz nicht mehr folgen kann, weil ich mir überlege was die Anderen sehen.

Dann steh ich auf.

Gehe rüber und frag nach.

Tobias Sauer

Katholischer Theologe und Initiator von ruach.jetzt. Auf der Suche nach einer Kirche von morgen mit dem Glauben der Menschen von heute.

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3 Antworten

  1. Theologicus sagt:

    Mich erstaunt als Theologie der Objektbezug der Ausgangsfrage! Denn die jüdische-christliche Theologie hat sich nie die Frage gestellt was Gott ist, sondern wer ist und was er als solcher wie bewirkt und welche „Stellung“ er und sein Wesen dadurch in unserem Weltbild und Kosmos einnimmt und wie wir das als Menschen in unseren kontingenten Sprachen ausdrücken sollen. Die Frage: Was ist Gott? Ist im jüdisch-christlichen Kontext schlichtweg falsch gestellt, daher ist auch die Antwort hier so unbefriedigend wie die Ausgangsfrage.

    • Tobias Sauer sagt:

      Lieber Theologicus,

      Vielen Dank für deine Rückmeldung. Leider kann ich deine Anmerkungen in einigen Punkten nicht ganz nachvollziehen. Was stört dich an dem „Objektbezug“? Die Frage nach Gott ist eine, zum Einen, tief menschliche Frage und zum Anderen die Frage der Theologie (theología als die Rede/Lehre von Gott und da hat eine Wesensbestimmt nicht einen zu geringen Teil).

      Ich stimme dir voll zu, wenn du sagst, dass die Menschen Gott nie in dem Horizont ihrer Endlichkeit begreifen können (und folglich auch nicht in Sprache fassen). Aber ich sehe aber in diesem Punkt keine andere Einsicht, die ich auch im Text vertrete: Wir können Gott nie ganz erfassen, deswegen können wir nie wissen was Gott ist.

      Des Weiteren würde mich interessieren: Wie wäre die Frage „Was ist Gott?“ deiner Meinung nach besser gestellt? Was wäre für dich eine befriedigendere Antwort?

      Ich hoffe, dass du diese Nachricht liest auch wenn du eine wegwerf Email Adresse benutzt hast 😉

      Liebste Grüße
      Tobias Sauer

  1. 21. Januar 2016

    […] erster Artikel „Ich weiß nicht was Gott ist“, den wir am 5. Juli 2015 veröffentlicht haben, stieß auf hohe Resonanz! Er wurde bis heute […]

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