Gott und das Ich in der Stille

Kennst du diesen Moment, wenn du dich mit einem anderen Menschen unterhältst, und, von etwas Gesagtem getroffen, plötzlich inne hält? So stellt sich bei mir ein Gefühl großen Widerwillens ein, als mir eine Freundin erzählt, dass es in den USA viele Menschen gibt, die bei völliger Stille nachts nicht mehr zur Ruhe kommen. Abhilfe schafft die Beschallung mit beruhigend wirkenden „noises“, wie zum Beispiel Geräuschen von prasselndem Regen oder tosendem Wind. Aber ist es nicht gerade die Stille, die uns am Abend in unserem kuscheligen Bett umgibt, die eine Höhle der Zuflucht darstellt? Eine Zuflucht von all dem Lärm und der vereinnahmenden Geräuschkulisse unseres Alltags? Ist sie nicht eine uns schützend umgebende Hülle, die alle nervtötende Gefahr in Form von Aufruhr und Betrieb von uns fernhält?

Stille ist wie ein Innehalten, so empfinde ich es auch jetzt, wenn ich in diesem Augenblick in einem fast leeren Zug nach Trier fahre. Die Atmosphäre ist ruhig, keiner spricht und eine Rückbesinnung an die vergangenen Tage wird möglich. Die Weihnachtstage und die Weihnachtszeit sind vorbei. Erinnere ich mich zurück, ergreifen mich Bilder von viel Trubel, verschiedensten Erwartungen und Lärm. Die Stille im Zug wird in diesem Moment dazu zu einer gegensätzlichen Bewegung, zu einer Erholungspause und einem Aufatmen, in dem mir plötzlich klar wird, dass mich der Alltag in den letzten Tagen wieder an etwas ganz Wesentlichem vorbeigeführt hat: An Weihnachten selbst. Gott ist in Jesus still und heimlich zu uns Menschen herabgekommen. Deutlich wird mir dies nicht so richtig am Heiligen Abend oder an den Weihnachtsfeiertagen selbst, sondern hier im Innenraum eines Zuges, der mich in diesem Moment mit einer Hülle der Stille umschließt.

Ich brauche Ruhe und Stille, um mich selbst reflektieren zu können, um Zentrales in meinem Leben zu erkennen, ja, und ich brauche die Stille, wo auch immer sie sich um mich spannt, auch, um mich offen zu halten für einen Gott, der ganze leise und unaufdringlich für mich in diese Welt gekommen ist, für einen Gott, der in der Sprache der Stille zu mir spricht.

Judith Engelfried

Judith Engelfried

Theologie und Germanistikstudentin an der Uni Trier, tourt übers Land als leidenschaftliche Sängerin der Band Inspiration, liebt ihren Glauben und hofft mal eine gute Lehrerin zu werden.

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