Draußen vor der Tür

Wenn ich mich morgens mit dem Fahrrad auf den Weg in die Stadt mache, bin ich gedanklich meist schon bei meinem nächsten oder sogar übernächsten Termin.

Der Blick auf die Schönheit der Häuser in meiner Straße sowie die vielen Bäume, welche meinem Weg säumen, das alles verschwimmt und wird allzu oft nur noch unscharf für mich. Ich gucke einfach nicht mehr richtig hin. Klar, ich habe das alles schon hundert- vielleicht sogar tausendmal gesehen. Am Anfang war da eine Freude, eine Begeisterung, jedes Mal, wenn die Sonne schien und ich diesen Weg entlangfahren durfte. Heute ist es einfach nur noch Alltag, es ist normal. Es verschwimmt.

Und noch schlimmer: Immer häufiger nehme ich nicht einmal mehr die Menschen wahr, die sich um mich bewegen. Sie kommen mir entgegen, sie fahren in meine Richtung, für mich sind sie nur noch ein einziger Körper, eine Masse, die es irgendwie zu umschiffen gilt. Der Blick für den Einzelnen kommt mir viel zu oft völlig abhanden.

Manchmal merke ich es. Dann übermannt mich dieses Gefühl. Ich habe meine Orientierung verloren. Ich bin zwar draußen und trotzdem nur ganz tief in mir drinnen. Sozusagen immigriert – in meine eigene Person. Abgeschottet von der Außenwelt – mein Inneres, verriegelt für jeden um mich herum.

Plötzlich werden meine Gedanken unterbrochen. Von der Seite berührt mich eine Hand. Und es fällt mir wie Schuppen von den Augen. Wir waren ja verabredet. Und ich zu früh am gemeinsamen Treffpunkt.

Ich drehe mich um, erblicke einen guten Freund, atme ein, sauge meine Umwelt nun wieder ganz tief in mir auf, spüre die Wärme der Sonne auf meiner Haut und nehme mir vor, bei der Fahrt nach Hause wieder ganz bewusst auf jedes Haus, jeden Baum und – vor allem – in die Gesichter der vielen Menschen zu schauen, um ihnen mein Lächeln zu schenken.

Ich bin wieder draußen! Und ja, es ist wahnsinnig schön hier.

Und was sagst du dazu?

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.