Eine faszinierende Zeit

Durch die scheinbar endlose Fülle von Kommunikationsmitteln kann ich in Windes-Eile mit Menschen auf dem gesamten Planeten in Kontakt stehen. Und noch mehr: Wer das nötige Kleingeld besitzt, kann schon morgen an nahezu jedem beliebigen Ort auf der ganzen Welt sein. Anders gesagt: Wir Europäer sind Grenzen-los. Grenzenlos glücklich?

Seit einer Woche ist mein Handy kaputt. Nichts geht mehr. Wer mich erreichen will, muss zum Telefonhörer greifen und das sogenannte Festnetz benutzen. Aber eine feste und von Dauer geprägte Verbindung zu der Person am anderen Ende der Leitung zu haben, bedeutet auch das nicht unbedingt. Immerhin: Wir reden noch miteinander!

Meine Kommunikation sieht im Gegensatz dazu ganz anders aus: Ich teile mich mit, lautlos, ohne zu sprechen, mit Menschen außerhalb meiner unmittelbaren Reichweite, meist beschränkt auf 160 Zeichen.

Ich ertappe mich dabei, wie ich meine Wirklichkeit nur noch durch die Linse einer Kamera sehe, mit der ich versuche, einen einzigartigen Moment festzuhalten und aufzubewahren. Das, was in meinem Leben schön ist, kann ich so endlos häufig abspielen lassen. Schöne Erinnerungen in Dauerschleife. Nichts ist mehr unmöglich, aber auch irgendwie nichts mehr besonders.

Und wenn der Akku einmal leer ist oder wie bei mir das Handy kaputt geht: dann, wenn nichts mehr geht, schaue ich auf und erblicke das, worauf es eigentlich ankommt: Den Augenblick im Hier und Jetzt. Die Menschen um mich herum; die Schönheit meiner Umgebung und dadurch auch irgendwie das Wesentliche in meinem Leben.

Ich schließe die Augen, um diesen Augenblick wahrzunehmen.
Ihn zu genießen und der Kraft dieses Moments zu trauen.

Das Wesentliche ist schon da, in diesem Augenblick.

Sebastian Schoofs

Sebastian Schoofs

Studiert in Freiburg Deutsch und Theologie auf Lehramt. Findet vor allem in Musik und Literatur neue Inspiration für seinen Glauben, immer auf der Suche nach Austauschmöglichkeiten mit anderen Menschen.

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3 Antworten

  1. Katja Wippermann sagt:

    Permanente Kommunikationsmöglichkeit ist toll – aber auch sehr anstrengend. Ich finde es auch ungeheuer befreiend, gelegentlich das Handy zuhause zu „vergessen“ und mal nicht erreichbar zu sein, auch nicht in der Versuchung, mal eben eine WhatsApp zu schreiben oder ein Bild zu machen. Alltag ist Übung :-), immer wieder…

  2. t.s. sagt:

    Wer kennt das nicht… danke für die Anregung. Werd sie mir zu Herzen nehmen. Für den nächsten Supergau! 😉

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